Staglieno, der größte Monumentalfriedhof Italiens

Der im Jahre 1851 eröffnete Friedhof Staglieno in Genua beeindruckt durch seine Architekur und Größe. Imposante Grabkapellen, eine Vielzahl von Skulpturen und unzählige Grabdenkmäler machen einen Besuch im Friedhof Staglieno zu einem besonderen Erlebnis. Die Errichtung dieses Monumentalfriedhofs wurde im Jahre 1830 von der Stadt Genua beschlossen, beauftragt wurde der klassizistische Architekt Carlo Barabino. Unter der Leitung seines Mitarbeiters Giovanni Battista Resasco entstand in den Jahren 1844-1851 die streng symmetrische Anlage mit einem klassizistischen Rundtempel, der Capella dei Suffragi oder auch dem Pantheon, umschlossen von rechteckig angelegten Gräbergalerien.
Mark Twain beschrieb in seinem Buch The Innocents Abroad aus dem Jahre 1869 den Friedhof als »eine breite Marmorkolonnade, die sich um eine unbesetzte Fläche herumzieht; der weite Fußboden besteht aus Marmor, und auf jeder Platte befindet sich eine Inschrift… Wenn man die Mitte des Ganges hinabschreitet, sieht man zu beiden Seiten Mahnmale, Grabmäler und Bildwerke, die vorzüglich gearbeitet und voller Schönheit sind.« An den Friedhof, so Twain, »werden wir uns noch erinnern, wenn wir die Paläste (Genuas) schon längst vergessen haben.«

Nachdem sich der Friedhof Staglieno für die Stadt Genua bald als zu klein erwies, entstanden zahlreiche neue Grabfelder. Reiche Familien aus Genua bauten sich Grabkapellen in den unterschiedlichsten Stilen, ausgeschmückt mit einer unübersehbaren Vielzahl an Statuen und Skulpturen.  In der weltoffenen Hafenstadt Genua durften auch Ausländer und Nichtkatholiken bestattet werden, und so entstand ein jüdischer Friedhof, ein protestantischer Friedhof, ein englischer Friedhof, ein orthodoxer Friedhof und ein kleiner islamischer Friedhof auf zwei Terrassen, der allerdings heute komplett von der Vegetation überwuchert ist, ebenso wie Teile des protestantischen Friedhofs in Staglieno.

Viele Grabmäler dieses Monumentfriedhofs zeichnen sich nicht gerade durch religiösen Purismus aus, im Gegenteil, die Skulpturen sind von Erotik und Frivolität geprägt, vom Prunk wohlhabender Bürger und Aristokraten. Im Tod vereinte Liebespaare und spärlich bekleidete weibliche Figuren, extrem realistische Darstellungen, heroisch oder auch komisch, ließen die Auftraggeber ihre Grabmäler oft schon zu Lebzeiten anfertigen, um ihr Bild für die Nachwelt vor dem Ableben noch selbst kontrollieren zu können.

Die soziale Struktur der damaligen Stadt Genua spiegelt sich auch in der Anordnung der Gräber wieder. Die prunkvollen Grabkapellen der Aristokraten entstanden rund um das Pantheon, der Capella dei Suffragi, in zentraler Position am Hang. Unten, in den Wendelhallen des Porticato Inferiore am Haupteingang befinden sich die Grabgalerien des Bürgertums. Die Bestattung der Kleinbürger erfolgte in den Kolumbarien, mehrstöckige Grabnischen ohne Skulpturenschmuck, und für arme Leute gab es Sammelgräber.

Die zwei bekanntesten Monumente sind das von Giovanni Battista Grasso entworfenen Grabmal von Giuseppe Mazzini aus Genua, einem der Gründerväter des italienischen Staates, und das Grabmal von Caterina Campodonico, einer Straßenhändlerin, die sich ihr ganzes Geld für ihre eigene Statue aufsparte, die Darstellung  einer schlichten Frau mit ihrer Ware, Nußketten und Brezeln, eine Skulptur des Bildhauers Lorenzo Orengo.